Wir bei Hildes

hildes Biografie 1936 – 2020… Wie aus der kleinen Hildegard unsere Oma Hilde wurde!

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Unsere Oma Hilde

Die “Geburtsstunde” unseres hildes CAFE & SHOP und die darauf folgenden Monate zum “Laufen lernen” waren bis heute enorm lehrreich, aber auch überaus erfolgreich (trotz Corona) und wahnsinnig emotional für das ganze hildes-Team. Wir lieben es, tolle Gastgeber zu sein und euch “perfekt unperfekte” Momente zu bereiten. Wir möchten auch in diesem Beitrag wieder allen unseren bisherigen und zukünftigen Gästen und Supportern einen riesigen Dank für die Treue und Unterstützung aussprechen!

Seit Juni 2020 sind wir jetzt für euch da, in unserem hildes CAFE & SHOP in Soltau, dem gemütlichen und familiären Cafe im Herzen von Soltau in der Lüneburger Heide. Diese Gemütlichkeit, die meine Geschwister und ich bei unserer Oma Hilde immer gespürt haben, möchten wir auch unseren Gästen im hildes bieten.

Wie alles anfing mit Hilde!

Natürlich ist unsere Oma Hilde “schwer beschäftigt” und bereits in “Altersteilzeit”, weshalb Sie nicht so häufig im CAFE anzutreffen ist. Damit Ihr unsere “Inspiration” aber noch besser kennen lernen und verstehen könnt, haben wir uns an einem ruhigen Sonntagnachmittag bei einem leckeren “Vino” mit unserer Oma verabredet, um gemeinsam Ihre ganz persönliche Geschichte aufzuschreiben. Gerne lassen wir euch daran teilhaben und wünschen euch viel Spaß beim Lesen der folgenden Zeilen enormer Lebenserfahrung, die uns einfach nur Staunen ließen.

Die kleine Hilde wurde am 10. März 1936 in der damaligen Frauenklinik Finkenau im Hamburger Stadtteil Uhlenhorst als Hildegard Thal (Mädchenname) geboren. Es war ein für den Norden typischer, also regnerischer, nicht besonders freundlicher Dienstag in Hamburg. Irgendwie passend zur damaligen schweren Zeit, in die unsere Hilde hinein geboren wurde. Die ersten Jahre der Vorkriegszeit verbrachte Hilde mit Ihrer Familie im Hamburger Stadtteil Rothenburgsort. Ihre Eltern waren zunächst beide Büroangestellte, ehe der nahende Krieg Ihren Vater an die Front zog und Ihre Mutter mit den 3 Kindern alleine in Hamburg zurück blieb. Hilde war, wie man heute sagen würde, ein “Sandwich-Kind”, also mittendrin statt nur dabei. Ihre ältere Schwester Irmgard (“Unsere Irmi, aber das ist eine andere Geschichte…) und Ihr 2 Jahre jüngerer Bruder Willy komplettierten die Familie.

“Kinderlandverschickung” und Hildes Schul- und Lehrzeit

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Einschulung Hilde

Es gab noch eine Einschulung für Hilde, aber ein eigenes Klassenzimmer, geschweige denn eine normale Schulzeit gab es für unsere Hilde nicht, da die Kriegswirren dazu führten, dass Hilde zusammen mit Ihrer Mutter und Ihren Geschwistern, wie viele andere Kinder und Mütter durch die damals übliche “Kinderlandverschickung” ins ländliche Umland von Berlin verschlagen wurde.

Alles war besser, als die allabendlichen Fliegerangriffe der Alliierten auf Hamburg und die ewige Angst und Flucht in den Bombenschutzkeller weiter zu ertragen.

Auf dem Land verbrachte Hilde nach Ihren Erinnerungen eine sehr schöne Zeit, bis Sie mit ca. 9 Jahren, also zum Ende des Krieges 1945 wieder zurück in die Norddeutsche Heimat nach Hamburg kam. Sie lebten dort übergangsweise bei Hildes Großeltern im damals noch sehr ländlichen Aumühle/ Bergedorf, die dort ein Sommerhaus mit “Plumpsklo und allem was dazu gehört” Ihr Eigen nennen konnten. Dort konnten Sie irgendwann dann auch endlich Ihren Vater wieder aus dem nahen Lazarett abholen und in die Familie integrieren.

Hilde besuchte zu der Zeit die Dorfschule in Dassendorf, gemeinsam mit vielen verschiedenen Altersklassen. Ihr Schulweg dauerte ca. 1 Std. zu Fuß, oft auch ohne jegliches Schuhwerk, da hierfür schlichtweg das Geld bzw. auch das Material fehlte. Die Nachkriegszeit war für Hilde und Ihre Familie keine einfache.

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Der Kolonialwarenladen von Zingelmann am Sieldeich.
Von links sind Hildegard Thal, Helga Albers und Frau Frank zu sehen
(Bild aus dem Buch: Hamburg-Veddel von Dieter Thal, erschienen im Sutton-Verlag)

Im Alter von ca. 10 Jahren entschloss sich Hildes Familie wieder zurück ins geliebte Hamburg zu ziehen.
Tante Erna gehörte dort eine
1 1/2 Zimmer-Wohnung “auf der Veddel” , die Sie Hildes Familie überließ, wo Sie dann auch weiter zur Schule ging.

Nach Abschluss der Schule begann Hilde Im Jahr 1951 mit 15 Jahren eine dreijährige Lehre zur Verkäuferin im Einzelhandel im Kolonialwarenladen von Zingelmann am Sieldeich. Ihre Lehre brachte Ihr viel Freude und Sie bediente die Kunden stets mit dem gleichen freudestrahlenden Lächeln, wie auf dem hier abgebildeten Foto aus jener Zeit, welches im Buch “Hamburg-Veddel” von Dieter Thal veröffentlicht wurde.

Gefährliche Liebschaften und leckerer Pannfisch

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Matthes Fischbratküche in der Tunnelstraße auf der Hamburger Veddel.

In dieser Zeit war Hildegard auch mit Manfred Matthes “gut befreundet” und genoss in der “Fischbratküche Matthes” den guten “Hamburger Pannfisch” und andere Fischspezialitäten.

Heute gibt es die Gaststätte immer noch. Schaut mal vorbei bei Marion Göttsche und Ihrem Team in der Veddeler Fischgaststätte und genießt hier leckeren Fisch direkt an der Elbe.

Über Ihren 1. Verlobten, den Sie im Anschluss kennen lernte, wollen wir nicht soviel berichten. Nur eins sagen wir: Er wusste unsere Hilde nicht zu schätzen und enttäuschte Sie bitter. Nun wusste Hilde also auch, wie sich ein gebrochenes Herz anfühlte. Entmutigen ließ Sie sich von dieser Erfahrung aber bestimmt nicht.

Hochzeitsglocken, Schwiegermutter und Hamburg-Bramfeld

Im Jahr 1957 lernte Hilde dann auf der Verlobung Ihrer Schwester Irmi Ihren zukünftigen Ehemann Fred Schröder kennen. Fred war der Nachbar von Richard, dem Verlobten Ihrer Schwester. Fred war gelernter Autoschlosser und ihm gefiel Hilde so gut, dass er Hildes Mutter ganz trocken bat: “Ich möchte auch so eine zur Frau”. Gesagt getan, Hilde und Fred verbrachten viel Zeit zusammen und am 21.Juni 1958 läuteten bereits die “Hochzeitsglocken” und das Eheversprechen wurde im Billstedter Rathaus vollzogen.

Nach der Hochzeit zogen die beiden in ein Zimmer in der Beringstraße in Altona, welches sagen wir mal, der “schwierigen” Schwiegermutter gehörte. Fred bekam einen super Arbeitsplatz bei der Hamburger Sparkasse (Haspa) und dann erblickte 1961 auch Sohn Michael per Kaiserschnitt das Licht der Welt. Das Glück schien perfekt. Da die Beziehung zu Hildes Schwiegermutter aber zunehmend “komplizierter” wurde und die beengte Situation der kleinen Familie ebenfalls eine Veränderung nötig machte, zog die Familie 1962 in eine von der Haspa vermittelten Wohnung in der Haldesdorfer Straße 128c im Hamburger Stadtteil Bramfeld.

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Otto-Versand Gebäude in Hamburg-Bramfeld (Quelle: Otto.de/Historie)

Endlich eine richtige gemeinsame Wohnung mit 3 Zimmern, Küche, Bad und allem was dazugehört! Und kurz darauf, am 10. Mai 1963 wurde auch Andrea, unsere Mutter dann dort geboren.

Alles nahm seinen Lauf und unsere Hilde begann alsbald auch eine Anstellung in der neu errichteten Otto-Versand Firmenzentrale gleich um die Ecke. Hier packte unsere Hilde die Pakete für die Millionen Kunden des erfolgreichen Versandunternehmens in dieser Zeit. Bis 1994 war unsere Hilde bei “Otto” tätig und packte sicher viele tausend Pakete. Vielleicht wurde euer Otto-Paket auch schon von Hilde gepackt?!

Das 2. Zuhause auf der Elbinsel Lühesand

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Fähranleger Lühesand (Quelle: luehesand.de)

Als die Kinder zu gut laufen konnten und immer größer wurden, war die Wohnung gerade am Wochenende oft zu eng. Die Familie suchte einen Ausweg und entdeckte Ihre Freude am Campen in der Natur. Ab 1968 begannen Hilde und Fred, zuerst mit dem Zelt, später mit dem Wohnwagen auf der Elbinsel Lühesand zu campen. Später kamen auch Hildes Schwester Irmi und Ihr Richard dazu und der Wochenendausflug an die Elbe bei Stade wurden zum absoluten Ritual der Familie. Keine Autos, kein Strom, Wasser vom Waschhaus holen. Das war der perfekte Gegensatz zum schon damals hektischen Stadt-Alltag in Hamburg. Außerdem war es auf Lühesand immer so schön gesellig. Das gefiel Hilde sehr und die Freude daran hat Sie sich bis heute bewahrt und an das Hilde-Team weiter gegeben.

Unsere ganze Familie verbrachte viel Zeit auf der Elbinsel Lühesand und viele der Kinder und Enkelkinder unserer Familie machten Ihre ersten Schritte auf dem “etwas anderen Camping-Platz”. Einige hatten später auch eigene Campingplätze auf der Insel. Beste Erinnerungen haben alle an diese Zeit und auch heute noch nimmt ein Großteil der Enkel und Enkelinnen von Hilde am traditionellen jährlichen Pfingstfussballturnier der Insel teil.

Aber auch neben der Zeit auf Lühesand waren Fred und Hilde gerne unterwegs, mal alleine, gerne aber auch mit Ihren Enkelkindern. Es ging nach Mallorca, in den Harz, den Schwarzwald und in Dänemark übte Oma Hilde heimlich das Motorrad fahren.

Große Liebe und große Familie

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Hochzeit Fred und Hilde

In dieser Biographie für unsere Hilde soll auch der wichtigste Mensch Ihres Lebens einen würdigen Platz bekommen: Opa FRED!
Fred war Hildes starke Schulter, Ihr Ruhepol und “Superman” zugleich. Fred war nicht immer ein Gentleman, war nicht immer der elegante moderne Ehemann. Aber Fred war grundehrlich, hatte einen tollen Humor und war immer für Hilde und seine Familie da, wenn diese Ihn brauchten. Fred hatte immer viel zu erzählen (seine Kinder und Enkelkinder können davon ein Lied singen) und kam eigentlich mit jedem gut aus. Fred hatte sich mit viel Ehrgeiz vom einfachen KFZ-Schlosser zu einem wichtigen Part in der Programmierer-Abteilung der Haspa (Hamburger Sparkasse) hochgearbeitet, wurde zwischenzeitlich auch mal auf Geschäftsreise “erschossen” (ein böser Scherz seiner Kollegen) und hatte seiner Familie in der Wirtschaftswunderzeit ein ordentliches Leben aufgebaut. Fred war dem Leben nicht abgeneigt und nahm auch gerne mal nen entspannten Hustensaft (Cola-Whiskey) zu sich und erzählte dabei den einen oder anderen Schwank aus seiner Jugend oder einen seiner vielen aufgeschnappten Witze. Sein größtes Laster waren Schokolade und seine Camel-Zigaretten, die Ihn schlussendlich leider auch viel zu früh von uns gingen lassen. Für uns alle, aber vor allem für Hilde war es ein Graus. Ein Leben ohne Ihren Freddy kannte Sie doch gar nicht mehr. Es war eine sehr harte Zeit für Sie und auch heute noch sehen wir die Tränen gefüllt mit Trauer und Stolz, in der Erinnerung an Ihren geliebten Freddy, wenn wir gemeinsam über Ihn sprechen.

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Freddy wir haben dich alle nicht vergessen. Du bleibst für immer in unseren Herzen!

Die große Familie, die sich ausgehend von Hildes und Freds großer Liebe entwickelt hat, ist Oma Hildes großer Stolz und Ihr Lebenswerk. Immer wieder sagt Sie uns, wie stolz Sie auf Ihre Enkelinnen und Enkel ist. Und ja, wir erfüllen Ihr wirklich jeden Wunsch, den wir kennen und sind immer für Sie da, wenn Sie etwas braucht. Sie hat es verdient, weil Sie uns allen soviel Liebe und Geborgenheit geschenkt hat. Neben Ihren 2 Kindern Michael und Andrea durfte Oma Hilde bis dato 10 Enkel und 14 Urenkel begrüßen und in den Arm nehmen, weitere sind “in Planung”…! Viele Wollsocken, Schals und Mützen mussten da schon gestrickt werden.

Neuer Lebensabschnitt in der Lüneburger Heide

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Oma Hilde mit Ihrer Schwester Irmi bei einer Familienfeier im Hörpeler Dorfgemeinschaftshaus

Nach dem schweren Verlust von Fred im Jahr 2005 entschied unsere Mutter Andrea, dass Oma Hilde nicht alleine in Hamburg bleiben sollte. Hilde kam also zu uns nach Bispingen. Und für uns Enkel und Ihre Urenkel war das mega schön. Oma endlich ganz in der Nähe zu haben, nicht in Hamburg, sondern mit im Dorf, hier in der Lüneburger Heide. Das war für alle etwas ganz neues, aber bis heute sind wir dankbar dafür! Unsere Oma Hilde wohnt seit dem mit uns zusammen in einem Mehrgenerationenhaus und ist immer mittendrin statt nur dabei. Wir alle glauben fest daran: Der actionreiche Alltag unserer Großfamilie hält Sie bis heute fit im Kopf, auch wenn die Schritte schon mal schwerer werden.

Mit der Eröffnung des hildes CAFE & SHOP im Juni 2020 habe ich stellvertretend für alle Familienmitglieder unserer Oma Hilde das größte Kompliment gemacht, was wir uns für Sie vorstellen können. Oma Hilde ist nicht nur Namensgeberin dieses gemütlichen und familiären CAFE´s, nein, Sie ist vor allem eine große Inspiration für unser aller Leben.

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Vielen Dank für alles Oma Hilde !!!

Deine Kinder, Enkelinnen und Enkel, Urenkelinnen und Urenkel

2 Kommentare

Eine tolle Idee von euch und wunderschön geschrieben ?.
Wir wünschen Oma Hilde ganz viel Gesundheit und noch viele schöne Jahre im Kreis ihrer großen, liebevollen Familie!
Für “hildes-cafe” weiterhin viel Erfolg!
Wir freuen uns drauf, bald mal wieder eure Gäste zu sein!
Liebe Grüße von Frank und Sabine Liedtke?

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